Unser ältester Landesgrenzstein (1588)

Ältester Landesgrenzstein (inzwischen in Gewahrsam des Ortsbauamtes Niefern)

Wo steht der älteste Landesgrenzstein auf unserer Gemarkung?

Allgemeines

Grenzsteine machten Herrschafts-, Besitz- und Rechtsgrenzen in der
Landschaft sichtbar. Neben Landes- und Herrschaftsgrenzen gab es vor
allem Gemarkungs-und Jagdgrenzen, Weide- und Fischereirechte, bei
uns besonders die Grenzen von Maulbronner Grund- und Waldbesitz.
Unsere Doppelgemeinde kann gleich mit zwei Landesgrenzen und den
dazugehörigen Landesgrenzsteinen aufwarten.

Beide Grenzen trennten badisches und württembergisches Hoheitsgebiet. Die ältere Grenze galt
bis 1810. Aber 1810 wurden Kieselbronn und Öschelbronn durch
Napoleons Gnaden der Markgrafschaft Baden-Durlach zugeschlagen.
Der ab 1810 entstandene Grenzverlauf galt bis 1951, als das jetzige
Bundesland BW gegründet wurde. Wer den ältesten Landesgrenzstein
von Niefern-Öschelbronn sucht, muss natürlich an der Landesgrenze
forschen, die vor 1810 galt.


Verlauf der Landesgrenze vor 1810
Diese „vornapoleonische“ Landesgrenze beginnt beim Dreimärker
Eutingen/Niefern/Kieselbronn am Lattenwald, führt dann hinunter zur
Enz, der Enz entlang bis zum Herzogstein in Enzberg, von dort hinauf
bis zum Dreimärker DürrmenzlNiefern/Öschelbronn, zieht den
„Lärchenweg“ weiter, den sog. Grenzweg (der Name fehlt noch auf dem
Ortsplan) hinunter, kreuzt den „Oberen Gaisbergweg“, leitet über den
„Öschelbronner Weg“ hinunter zur Bräuningsmühle und endet dann bei
den „Oberen Kirnbachwiesen“. Sie ist identisch mit der
Gemarkungsgrenze, die das badische Niefern mit seinen
württembergischen Nachbargemeinden Kieselbronn, Enzberg, Dürrmenz
und Öschelbronn gemeinsam hafte.


Fehlende Steine
Beim Straßen- und Wegebau gingen an markanten Stellen offensichtlich
wichtige Landesgrenzsteine einfach verloren, vielleicht störten sie den
Arbeitsablauf, z.B. beim Bau der L1125 oder des „Oberen
Gaisbergwegs“. Man darf davon ausgehen, dass vor allem ‚schöne“
Exemplare durch Privatpersonen kurz entschlossen vor der Schutthalde
„gerettet‘ wurden. (Bei aller Würdigung von Verdiensten —
Grenzsteine
können jedoch nie Eigentum von Privatleuten werden, sie bleiben immer
Eigentum der Allgemeinheit.) Auch im landwirtschaftlichen Bereich
zwischen Bräuningsmühle und ‚Öschelbronner Weg“ ist nach Auskunft
des Pächters kein Grenzstein mehr vorhanden.


Landesgrenzstein 1776
2013 hat die Lokale Agenda (LA) am „Öschelbronner Weg“ einen bis
dahin unbeachteten Stein entdeckt. Das Ortsbauamt mit Herrn Frey legte
ihn Ende 2013 so weit frei, dass man die Jahreszahl 1776 deutlich lesen
konnte. Das württembergische Wappen war nach 1810 offensichtlich
entfernt worden, es hatte ja seine hoheitliche Bedeutung eingebüßt. Das
badische Wappen blieb erhalten, es ist erhaben herausgearbeitet.
Darunter erkennt man deutlich den sog. Enten- oder Gänsefuß, nach
Ansicht mancher Forscher in Wahrheit ein heidnischer Druidenfuß, der
böse Geister fernhalten soll, der Fuß ist das Kennzeichen nicht nur von
Niefern, sondern auch von Kieselbronn. Das Kennzeichen von
Öschelbronn und von Eutingen ist übrigens ein Hufeisen, es könnte
ebenfalls als vorchristlicher Glücksbringer gedeutet werden.


Landesgrenzstein 1588, der älteste auf unserer Gemarkung
Im weiteren unwegsamen Verlauf der Landesgrenze konnte die LA 2015
unter dem unermüdlichen Einsatz von Bernd Feuchter und Michael
Schuon, der Weisung des „1776 Steins“ folgend, im dichten Gestrüpp
mehrere Steine ausmachen, darunter unseren ältesten
Landesgrenzstein -an seinem angestammten Platz- aus dem Jahr 1588
mit dem Maulbronner Abtsstab. Er trägt die Ziffer 37 und neben dem
Buchstaben E für Oschelbronn noch die Zeichen „N 13“. Seit März 2017
erinnert nur ein topographischer Grenzpunkt an das Original. Der
restaurierte Stein wird im Rathaus ausgestellt.


Landesgrenzstein 1590, der zweitälteste auf unserer Gemarkung
Bei einer späteren Suche im Verlauf der Landesgrenze — wo im
Anschluss an den sog. Grenzweg der „Schanzgraben“ wieder anfängt,
stießen Winfried Schneider von der LA und Bernd Feuchter auf einen
weiteren Landesgrenzstein mit dem Maulbronner Abtsstab und den
beiden ersten lesbaren Ziffern einer Jahreszahl: „15..“ (1590?). Auf der
Vorderseite finden sich außer Jahreszahl und Abtsstab noch die Zeichen
„N 33“, das E für Öscheibronn und das Öschelbronner Hufeisen. Die
Rückseite trägt die Zeichen „N 50“ und den Nieferner Entenfuß.
Da der Stein stark von Verwitterung bedroht war, veranlasste Alt-
Bürgermeister Kurz noch in seiner Amtszeit entsprechende Maßnahmen
zur Reifung des gefährdeten Steins „1590“ und sinnvollerweise auch des
Steins „1588‘. Die Steine sollen nach fachmännischer Behandlung im
Rathaus ausgestellt werden. Ein Replikat-des Steins „1590“ wurde. im
März 2017 wieder an seinem angestammten Platz aufgebaut. Die LA hat
zusammen mit Bernd Feuchter die Sache mit großem ehrenamtlichen
Engagement unterstützt (zeitraubende Rückfragen bei Behörden,
Ortstermine mit Steinmetzen, Zufahrtswege festlegen, Ortung der Steine,
Abstimmung mit dem Ortsbauamt).


Landesgrenzstein Nr.47
Vom Landesgrenzstein „1588“ bis zum Landesgrenzstein „1590“ findet
sich unterhalb des Reutwegs im Verlauf der Landesgrenze ein dritter
Landesgrenzstein mit dem Maulbronner Abtsstab. Er trägt die Nummer
„47«. Der Stein wurde im März 2017 vom Vermessungsamt Enzkreis
freigelegt. Eine Jahreszahl war leider nicht zu sehen.


Landesgrenzstein Nr. 40, ehemals am „Oberen Gaisbergweg“
Der Gemarkungsatlas Niefern-Öschelbronn verzeichnet am „Oberen
Gaisbergweg“ die Grenzsteine Nr. 40 und 41. Beide Steine fehlen jedoch
an Ort und Stelle. Der sauber in zwei Hälften geteilte Stein Nr. 40 ist
offensichtlich im Gasthof Goll, Niefern, ausgestellt. Die eine Hälfte trägt
die Jahreszahl 1586 und den Nieferner Entenfuß, die andere das
Öschelbronner Hufeisen mit dem „E“ für Oschelbronn und die Zeichen „N 40“.


Stein 1580
Unser Ortschronist Friedrich Leicht hat in seinen Unterlagen das Foto
eines Steins mit der Jahreszahl 1580 und dem Entenfuß aus dem
Nieferner Ortswappen. Dieser Stein übertrifft folglich alle bisher
entdeckten an Jahren. Leider fehlt in den Unterlagen die Angabe des
Fundorts. Das Foto entstand in den 90er Jahren. Die spannende Frage
lautet nun: Wo findet sich dieser bislang wirklich älteste Stein unserer
Gemeinde in der Natur? Ist er Landesgrenzstein oder “bloß“ Flurstein
aus innerörtlicher Vermessung? Der Erinnerung von Herrn Leicht zufolge
könnte der Stein im Gebiet des Tannenbergs stehen. Die systematische
Suche der Herren Feuchter und Schneider auf dem Tannenberg im
Winter 2015/16 blieb aber erfolglos. Ist der Stein evtl. auf Privatgrund
aufgenommen?

Einfachere Exemplare
Im Verlauf des “Lärchenwegs“, der vom „Stein 1590‘ ab genau der vornapoleonischen
Landesgrenze bis zum dortigen Dreimärker folgt, finden
sich nach dem „Großen kesseiweg“ rechter Hand immer wieder
Grenzsteine, die jedoch nicht den Eindruck alter Landesgrenzsteine
machen, eher einfacherer Flursteine. Ein eher einfaches Bild geben auch
die Steine ab, die vom Dreimärker zum Herzogstein hinunter aufgestellt
sind. Es erhebt sich hier die Frage, ob nach 1810 die ausgedienten
Landesgrenzsteine alle an ihren Plätzen blieben wie etwa der Stein am
„Öschelbronner Weg“. Das heißt: Wurden sie an Ort und Stelle zu Fluroder
Marksteinen umfunktioniert oder durch neue schlichte Flursteine
ersetzt?


Landesgrenzsteine am Lattenwald
An der alten Landesgrenze am Lattenwald zwischen Niefern und
Kieselbronn stehen Landesgrenzsteine mit den Nummern 1 bis 35.
Barbara und Dieter Kummer hielten über 30 Steine fotografisch fest und
brannten die Bilder auf DVD. Ihre Arbeit ist eine unschätzbare Hilfe für
die LA. Die Nr. 1 ist ein Dreimärker (NiefernfEutingen/Kieselbronn).
Wichtig sind ihres Alters wegen vor allem die Steine von 1716, 1772 und
1776.


„Obere Kirnbachwiesen“
Im Bereich „Obere Kirnbachwiesen “schiebt sich die einstmals
markgräfliche Gemarkung Niefern wie eine lange schmale Zunge
zwischen die bis 1810 württembergische Gemarkung „Öschelbronn“ und
die damalige badische Gemarkung „Hagenschieß“, und zwar immer dem
Kirnbach entlang - bis zum „Hardtheimer Weg“ am sog. Steinernen
Brückle. In diesem Bereich der „Oberen Kirnbachwiesen“ haften sich die
badischen Markgrafen im damals noch fischreichen Kirnbach das
Fischereirecht gesichert (vgl. Ortschronik).


Am Kirnbach zwischen Bräuningsmühle und Steinernem Brückle gab es
lt. Gemarkungsatlas von 1875 kein Bärentaler Sträßle oder irgend einen
anderen Pfad. Nummerierte Grenzsteine finden sich auf dem
Gemarkungsatlas von 1875 direkt links und rechts neben dem Kirnbach.
Ortskundige hielten es für ausgeschlossen, dass sich diese Steine
gegen Hochwasser und Erosion behaupten konnten. Michael Schuon
und Helmuth Ziegler überprüften das mit der LA im Februar 2017 bei
niedrigem Wasserstand. Von den 18 Steinen auf dem Gemarkungsatlas
1875 konnten Nr 18, 17, 15, 10 ‚5 ‚4 und 1 ausgemacht werden. Die
Nr.17 hatte am Steilhang keinen festen Stand mehr, die Nr.4 lag am
Boden. Alle Steine außer dem Stein Nr. 1 tragen neben der Nummer
noch die Buchstaben N auf der einen und OE auf der andern Seite.
Hoheitliche Zeichen fehlen. Die Steine stammen offensichtlich aus der
Zeit, als Öschelbronn schon badisch war, sie haben demnach nicht als
Landesgrenzsteine fungiert. Die Nr. 1 wurde am 18.04.2017 vom
Vermessungsamt Enzkreis freigelegt. Den Stein schmückt auf der
Vorderseite das badische Wappen mit der Jahreszahl 1830, seitlich sieht
man ein „N“, hinten einen Entenfuß mit der Ziffer 121.


Ein Stein in privater Hand stammt vielleicht ebenfalls aus dem Bereich
„Obere Kirnbachwiesen“ - oder der Enz. Der Stein zeigt auf der einen
Seite das badische Wappen und einen Fisch mit der Jahreszahl 1788,
auf der anderen ein Hufeisen, das Wahrzeichen sowohl vom
württembergischen Öscheibronn als auch vom badischen Eutingen.


Den weiteren Verlauf der mittelalterlichen Landesgrenze vom Steinernen
Brückle am Hardtheimer Weg bis zur Gemarkung Wurmberg hat die
Lokale Agenda im Dezember 2016 mit Manfred Bader, Bernd Feuchter
und Winfried Schneider untersucht. Sehr sehenswert sind die Steine
angefangen vom Dreimärker beim Denkmal für die Weymouthskiefern
bis zum Ende des Kirnbachtals in Wurmberg (s. auch Ortschronik)
Diese Steine gehören allerdings außer dem Dreimärker nicht mehr zu
unserer Gemarkung.


Steinzwillinge im Bruchtal
Im hinteren Bruchtal stehen bei der dortigen Bank zwei alte Flursteine
nebeneinander. Der größere Stein zeigt auf seiner Rückseite deutlich
einen großen Maulbronner Abtsstab. Die Vorderseite ist aufgeraut,
vielleicht wurden hier vorhandene Zahlen oder Wappen entfernt. Auf der
Oberseite fehlt die Weisung. Der kleinere Stein dient mit der
fortlaufenden Nummer „36“ eindeutig als Flurstein innerhalb der
Neuvermessung der Oscheibronner Grundstücke ab 1852. Auf seiner
Oberseite findet sich die wichtige Weisung. Auf der Rückseite sind
interessanterweise Teile des Maulbronner Abtsstabs zu erkennen.
Vielleicht ist dieser kleinere Stein nur die Hälfte eines ausgemusterten
Steins aus dem Vorrat des zuständigen Geometers. Der größere Stein
stand wahrscheinlich schon immer auf seinem jetzigen Platz und zwar
als Markstein des „Gerechtigkeitswaldes“ (s. dazu Schmalacker/Leicht,
Chronik der Gemeinde Niefern-Öschelbronn,S.346ff). Leider ist auf den
Steinzwillingen keine Jahreszahl zu finden.


Die Landesgrenze nach 1810 (napoleonische Landesgrenze)
Am Laftenwald gab es nach 1810 keine Landesgrenze mehr,
Kieselbronn war ja jetzt badisch geworden. Nach Osten bestimmten
nach wie vor die württembergischen Gemeinden Enzberg und Dürrmenz
entlang der Gemarkungsgrenze von Niefern die Landesgrenze. Vom
Dreimärker am Lärchenweg an übernahm das jetzt badische
Öschelbronn zusammen mit den württembergischen Gemeinden
Pinache, Wiernsheim, Wurmberg und Bärental den
weiteren Verlauf der Landesgrenze.


Die notwendigen neuen Landesgrenzsteine wurden 1828 gesetzt, schön
zu beobachten vom Bilderweg oder Agentalerweg hinunter zum
Dreimärker im Bruchtal. Interessant ist das hohe Alter etlicher
Landesgrenzsteine vom Bruchtal in Richtung Rantal und Kirnbachtal
(1725, 1629, 1765). Waren sie vor 1810 bloße Marksteine gewesen?

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