Liebe Bürgerinnen und Bürger,

Bürgermeisterin Birgit Förster

die Lockerungen der Landesregierung gehen auch in dieser Woche weiter und ich verstehe, dass nicht alle Regelungen sofort nachvollziehbar sind. Wie kann es sein, dass Familienfeiern, wie z. B. Hochzeiten, ab 1.6. Presseberichten zufolge wieder stattfinden dürfen, Kitas und Schulen aber nur sehr eingeschränkt öffnen? Spielplätze und „Funparks“ öffnen, aber in die Kita dürfen die Kinder nicht?

Gerne versuche ich, Ihnen die Unterschiede etwas näher zu erläutern.

Als Bürgermeisterin, habe ich mich sehr gefreut, dass Spielplätze wieder geöffnet werden durften, wenn auch unter zahlenmäßiger Einschränkung bei der Nutzung und nur unter Anwesenheit einer Aufsichtspflicht. Beim Besuch der Spielplätzen sind jedoch die Eltern aufsichtspflichtig und damit wird der Infektionsschutz von der Landesregierung auch in deren Verantwortungsbereich übertragen. Gleiches gilt für private Veranstaltungen.
 
Als Gemeinde sind wir Träger der kommunalen Kitas und Schulen. Genauso, wie den anderen Trägern, obliegt der Hygieneschutz und die Organisation der Einrichtungen damit auch unserer Verantwortung. Die Landesregierung macht bei den Regelungen also Unterschiede zwischen der privaten und öffentlichen Verantwortung.
 
Ein weiteres Beispiel hierfür sind die Öffnung der Geschäfte und der Gastronomie. Hier ist jeder Unternehmer eigenverantwortlich für die Einhaltung der Hygienevorschriften zuständig. Er haftet auch dafür. Als Ortspolizeibehörde obliegt uns als Gemeinde lediglich die Überwachung der aktuellen Auflagen. Wir unterstützen natürlich zudem auch gerne beratend.
Eine große Herausforderung auch für die Sportvereine und in Kürze für alle anderen Vereine. Haftungsrechtlich ist jeder Verein selber verantwortlich. Wir unterstützen und beraten von Seiten der Gemeinde. Ein sehr komplexes Themenfeld und ständig neue Vorgaben für alle!
 
Nochmal zurück zu Schule und Kitas. Hier sind die Kommunen, Kirchen oder Private Organisationen verantwortlicher Träger und die Landesregierung zumindest für die Lehrer auch Arbeitgeber.
Gemeinsam obliegt uns, neben dem Schutz der Schüler und  Kinder, auch der Schutz für Lehrer, Erzieher*innen und alle anderen eingesetzten Mitarbeiter.
 
Die Vorgaben der Kultusministerin sind für uns daher absolut bindend. Wir müssen uns zwingend an die Vorgaben der Landesregierung halten. Wir organisieren gemeinsam mit Kita-Leitungen und Schulleitungen vor Ort nach den entsprechenden Vorgaben.
 
Grundsätzlich befinden wir uns bei den Kitas derzeit immer noch in der Notbetreuung.
Auch wenn die Pressemitteilung von Erweiterungen der Kinderbetreuung berichtet, wird diese in mehreren Phasen abgewickelt, um insbesondere Neuinfektionen zu vermeiden.
 
In der ersten Phase wurden nur Kinder betreut, deren Eltern (beide oder alleinerziehend) in sytemrelevanten Berufen tätig sind.
In Phase zwei der Erweiterung werden auch Eltern, die Präsenzpflicht an der Arbeitsstelle haben und eine entsprechende Unabkömmlichkeitsbescheinigung vorlegen (beide oder alleinerziehend) bei der Platzvergabe berücksichtigt. Wir dürfen allerdings maximal 50% der normalen Kinderzahl einer Gruppe belegen und müssen deshalb bei der Vergabe strenge Maßstäbe anlegen. Über die Platzvergabe entscheidet laut Landesregierung die Kommune in Abstimmung mit dem jeweiligen Träger.
 
Nun sollen zusätzlich zu den Kindern in der Notbetreuung auch noch Angebote für alle Kinder gemacht werden, die die Einrichtung auch vor Corona besucht haben. Es dürfen aber maximal 50% der Kinder in der Einrichtung sein. Gleichzeitig sollen wir weiterhin unsere Mitarbeiter schützen und Hygiene-Auflagen einhalten! Sie verstehen hoffentlich, welche logistische Herausforderung dies für alle Träger und die Erzieherinnen ist.
 
Dennoch freue ich mich, Ihnen mitteilen zu dürfen, dass wir mit allen Einrichtungs-Trägern und Leitungen in Abstimmung gewesen sind und für die Kinder von Niefern-Öschelbronn ein altersgerechtes Betreuungs- und Förderkonzept erarbeitet haben.
 
Unser klarer Schwerpunkt liegt auf der altersgerechten Förderung, insbesondere der Kinder, die im Jahr 2020 und 2021 in die Schule gehen werden.
 
Durch die neuen gezielten Angebote an Altersgruppen und Altersförderung in tageweisen Modellen für Ü3-Kinder mit verstärktem Fokus auf Vorschulkindern, werden wir die Räumlichkeiten der Kitas optimal nutzen, den Kindern eine bereichernde und intensive Kita-Zeit bieten sowie den Mitarbeiterinnen und Ihnen Planungssicherheit geben. Diese altersbezogenen Angebote müssen parallel zu den Notbetreuungen im Rahmen der 50%-Belegungsstärke erfolgen. Wir werden den Kita-Alltag unter diesen außergewöhnlichen Bedingungen optimal vorbereiten und gleichzeitig Hygienevorgaben sowie Sicherheitsabstände einhalten. Dies dient langfristig dem Schutz der Kinder und unserer Mitarbeiter.
 
Natürlich muss jede Einrichtung die örtlichen, personellen und räumlichen Begebenheiten berücksichtigen, sodass jede Einrichtung einen individuellen Spielraum vor Ort benötigt, um unser Konzept umzusetzen. Die Kindergartenleitungen organisieren diese Woche intern die Einteilung der Altersgruppen und informieren dann die Eltern.
 
Es handelt sich um ein individuell von der Gemeindeverwaltung und den Trägern ausgearbeitetes Angebot, um den Kindern über 3 Jahren wieder etwas mehr Freiheit und Abwechslung im Alltag bieten zu können. Diese kleinen Helden haben in den letzten Wochen viel zurückstecken müssen!
 
Unsere ganz kleinen Helden unter 3 Jahren müssen sich leider noch länger gedulden. Da es in dieser Altersgruppe nicht möglich ist ein ausreichendes Hygiene-Konzept anzubieten, werden
wir in den Krippen weiterhin nur die Notbetreuung unter den Vorgaben der Corona-Verordnung anbieten. Ich weiß, dass diese Aussage nicht zufriedenstellend ist, kann die Situation unter den aktuellen Vorgaben aber leider auch nicht ändern. Wir wurden in den sozialen Medien bereits für die Entscheidung, Zusatzangebote nur für über 3-Jährige anzubieten, bereits scharf kritisiert. Ich erlaube mir an dieser Stelle den Hinweis, dass unsere Erzieherinnen alle Kinder vermissen und mit der derzeitigen Situation alles andere als glücklich sind. Kritik ist allerdings bei den örtlichen Akteuren an der falschen Adresse. Wir nutzen aktiv jeden Spielraum, den uns die Vorgaben der Landesregierung einräumen!
 
Das Gleiche gilt für unsere Schulleitungen und Ihr Kollegium. Klar definierte Auflagen und ein eingeschränkter Unterricht stellen sie alle vor nie dagewesene Herausforderungen. Statt Kritik zu äußern und zu schimpfen, wäre auch hier ein Dankeschön für den Einsatz und die Lösungsvorschläge der Lehrer angemessen. Lernen ist ein Privileg und in Zeiten wie diesen wird deutlich, mit welcher Selbstverständlichkeit wir den Zugang zu Bildung erwarten.
 
In einer Ausnahmesituation, wie wir sie derzeit immer noch erleben, muss auch in der pädagogischen Arbeit ein anderer Weg eingeschlagen werden, um viele verschiedene Faktoren
gleichzeitig befriedigen zu können. Eine ausgeglichene und vollständige Gerechtigkeit wird es nicht geben.
 
Diese improvisierte Normalität wird uns noch einige Zeit begleiten -  doch wenn wir es gemeinsam schaffen, darin eine neue Form der Kreativität zu erkennen, und diese langfristig zu erhalten, bleibt auch nach Corona etwas Positives. So wie die Tatsache, dass Sie dank Mund-Nase-Schutz manchen Menschen in Ihrem Umfeld tatsächlich zum ersten Mal in die Augen schauen …
 
Ihre
Birgit Förster
Bürgermeisterin

 

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